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Der meistbesuchte Ort der Welt Drucken E-Mail
ImageJeder geht hin, keiner will darüber reden: Die Toilette ist immer noch ein Tabu-Thema. Deshalb weiß auch kaum einer, daß der 19. 11. tatsächlich Welttoilettentag ist.

Von Irene Jung

Welttoilettentag? werden Sie fragen, wer denkt sich denn so was aus? Es kommt noch besser: Dieser Tag wurde nicht von den Vereinten Nationen ausgerufen, sondern der "World Toilet Organization", die seit Donnerstag in Belfast den Welttoiletten-Gipfel (World Toilet Summit) abhält. Dort beraten Gesundheitsexperten, Stadtplaner und Klempnerfachvertreter unter anderem über den Standard öffentlicher Toiletten.

Der Weltverband, 2001 in Singapur von dem Marketingfachmann Jack Sim gegründet, will durch Aufklärung wenn nicht die Welt, so doch wenigstens ihre Toiletten verbessern. Das ist durchaus notwendig: Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung müssen heute noch auf sanitären Komfort oder Hygiene verzichten, eine Ursache der Verbreitung von Krankheitserregern und Epidemien. Der Verband stößt auf armuts- und religionsbedingte Gewohnheiten, die zu Hygienehemmnissen werden.

Aber auch in Europa ist Toilettenkultur noch eine relativ junge Errungenschaft. 1596 baute Sir John Harington in England für seine Tante, Queen Elizabeth I., eine Toilette mit Wasserspülung. Seine Erfindung wurde von den anderen Peers als "absurde Idee" derart lächerlich gemacht, daß er die Sache nicht weiterverfolgte. Erst 1775 entwickelte Alexander Cummings, ein Londoner Uhrmacher, für Toiletten das zweifach gekrümmte Abfallrohr mit Abschlußschieber, damit kein Geruch zurückdrang (von diesem Geruchsverschluß stammt der Name closet). Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch in Deutschland in die Bäder wohlhabender Leute solche Luxustoiletten eingebaut. Das Volk begnügte sich mit Plumpsklos bzw. Donnerbalken.

Ein Anliegen des Welttoilettenverbands ist "toilet etiquette" - angemessenes Benehmen auf öffentlichen Toiletten. Hier liegt international noch viel im argen. Gerade weil die Toilette ein ebenso intimer wie tabuisierter Raum ist, fordert sie ständig zu Grenzverletzungen heraus, glauben Psychologen. Wer Sonnabend nachts die Damentoilette eines Hamburger Tanzlokals besucht, muß denken, eine Elefantenherde sei hindurchgezogen. Der Weltverband hat noch viel zu tun.

Im Internet: www.worldtoilet.org

Artikel erschienen am 19. November 2005

© www.abendblatt.de

Quelle: Hamburger Abendblatt
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