| Paruresis: Die Angst vorm öffentlichen Pinkeln |
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Düsseldorfer Studie erprobt die Therapie von Urinier-Störungen.Knapp eine Million deutscher Männer leiden unter Paruresis: Sie können nur zu Hause angstfrei urinieren. Düsseldorfer Forscher erproben jetzt weltweit erstmals eine wissenschaftlich gesicherte Therapie.
Vielen Frauen gilt es als Ungerechtigkeit der Natur, und in dicht bewohnten Gebieten wird es mitunter zum Ärgernis: Männer können pinkeln, wo sie gehen und stehen. Das vermeintliche Privileg kann aber auch ins Leiden umschlagen: Fast nur Männer leiden unter psychischen Urinierstörungen. Die Angst vor dem Pinkeln in Kneipe oder Flugzeug wird ihnen zum seelischen Dauerstress. Auf eine Million schätzen Experten die Zahl der Betroffenen in Deutschland. Ihnen soll jetzt eine Studie der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität helfen. Die Furcht lässt den Harnstrahl stockenPhilipp Hammelstein, Psychotherapeut und Leiter der Studie, stieß auf das Problem bei der Behandlung von Depressiven. Manche der Patienten fuhren seit Jahren nicht mehr in Urlaub, vermieden Kneipenbesuche und längere Zug- oder Flugreisen. Die Angst, die gefüllte Blase nicht entleeren zu können, prägte ihren Alltag und führte schließlich in die Depression. "Das ist keine lästige Hemmung, sondern eine echte soziale Phobie", sagt Hammelstein. Die bloße Anwesenheit anderer auf der öffentlichen Toilette oder vor der Tür lässt bei den Patienten den Harnstrahl stocken. Der seelische Stress, erklärt der Therapeut, zieht die Ringmuskeln in der Blasenregion zusammen und verschließt die Harnröhre. Wer dann lange nicht nach Hause kann, leidet unter schlimmen Schmerzen. Pinkeln mit dem TherapeutenParuresis trifft drei Prozent (nach US-amerikanischen Studien sogar sieben Prozent) aller Menschen. Dabei ist die Urinier-Störung zu 90 Prozent ein Männer-Problem. Deshalb erproben die Düsseldorfer Forscher, finanziell unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), eine geeignete Therapie an 60 männlichen Patienten. Rein medizinische Behandlungen mit Medikamenten blieben bisher erfolglos. Deshalb setzen Philipp Hammelstein und seine Kollegen auf eine psychologische Verhaltenstherapie: Sie gehen zusammen mit ihren Patienten vor das Urinal.Anfangs kann das Üben nach reichlichem Wassergenuss qualvoll sein.
Aber jeder Erfolg kann die Phobie brechen, "auch wenn wir anfangs
vielleicht 20 Minuten auf den Strahl warten müssen", sagt Hammelstein.
Am Ende gehen die Patienten gemeinsam angstfrei auf eine viel
frequentierte Toilette, etwa in einem Kaufhaus oder auf dem Bahnhof -
und der Psychotherapeut bleibt vor der Tür stehen. Der Schock nach dem WettpinkelnNatürlich gilt die Studie auch den Ursachen der Paruresis. Die liegen noch weitgehend im Dunkeln. Einem möglichen Vorurteil möchten die Düsseldorfer Forscher gleich vorbeugen: Ihre Patienten leiden keineswegs unter sexuellen Störungen. Eher denken die Psychologen an eine "Störung bei der Herausbildung männlicher Identität". Das Versagen beim pubertären Wettpinkeln könnte etwa ein Auslöser sein. Dadurch entstehe eine Art archaischer Angst, sein Revier abstecken zu wollen, und es nicht fertig zu bringen.
Weiterführende Links:Deutsche Paruresis Selbsthilfe Informationen von Betroffenen und Linksammlung |
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