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Sitzen oder Stehen? Drucken E-Mail

ImageLauter Streit im stillen Örtchen

Männer, die im Stehen pinkeln sind viel erotischer", "Man muss sich zum Setzen die Hose 'runterziehen - das dauert viel zu lange!", "Wozu ist in der Unterhose ein Schlitz drin?" Solche schlagkräftigen Argumente finden sich auf der Homepage der »Radikalen Stehpinkler«: Männer klagen ihre Rechte ein, sich vor dem Klobecken hinzustellen!

Um dieses Ziel zu erreichen, schrecken die ImStehenPisser (ISP) selbst vor radikalen Maßnahmen nicht zurück: "Schlagt Nägel von unten in alle Klobrillen, um Frauen ans Stehpinkeln zu gewöhnen!" Nachdem immer mehr Frauen von ihren Mitbewohnern, Partnern und Gästen das Hinsetzen fordern, formiert sich nun also eine Gegenbewegung. Dabei sind die rationalen Gründe für das Hinsetzen leicht einzusehen, schließlich verteilen sich kleine, gelbe klebrige Spritzer über Klobrille, Spülkasten und die dahinterliegende Wand. Die Folge ist die Verbreitung von Keimen und Bakterien. Viele Frauen nehmen aus Abscheu vor der dreckigen Klobrille die "Katja-Seitzinger-Pose" ein. Die Freude des Mannes am Pinkeln im Stehen entsteht in der Kindheit, wo das Erledigen des "Geschäfts" noch große Beachtung und Applaus der Eltern findet. Dabei entdeckt der Junge den "kleinen Unterschied" zur Schwester, Freundin oder Mama, die sich hinsetzen muss. Dies kann in der Tat ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber dem "schwachen Geschlecht" wecken.

Im Lauf der Zeit wird es einfach zur Angewohnheit, zumal sich der lästige Akt auf diese Weise im täglichen Stress schneller erledigen lässt. Da das Putzen von Toiletten in den meisten Haushalten nach wie vor Frauenarbeit ist, erkennen viele Männer gar nicht des Ausmaß des Problems. So prallen alle Ermahnungen an ihnen ab wie die Urintropfen an dem Becken. Dabei zerfrisst die agressive Harnsäure selbst Heizungsrohre und Kacheln, die sich im "Sprühbereich" befinden. Die Folge ist ein vorzeitiger Verschleiß durch Korrosion infolge Stickstoff (Harnsäure). Die Säure ist so stark, dass das größte Fußballstadion der Welt in Rio de Janeiro vom Einsturz bedroht ist, weil viele Fußballfans gegen Wände und Säulen pinkeln. In der BILD-Zeitung fand sich gar der wissenschaftlich ermittelte Sprüh-Faktor beim Stehpinkeln (siehe Abbildung). Doch rationale Argumente haben Schwierigkeiten, seit radikale Feministinnen sich des Themas bemächtigt haben. Mit Parolen wie "Sitzen oder Schwanz ab" machen sie für manche der angegriffenen Männer die schlechte Angewohnheit zum Akt der Selbstbehauptung. Daraus können dann Beziehungs-Schlachten entstehen, wie sie in der SAT-1-Talkshow Kerner zum Thema »Hilfe, mein Mann pinkelt im Stehen« zur Sprache kamen. Dort erzählte eine Susann: "Dann habe ich Essigessenz in die Schüssel getan, weil ich dachte, es spritzt und es brennt ein bisschen, damit er es auch mal merkt. Und jetzt wollte ich ihm Löschblätter an die Beine heften, damit er es sieht!" Beate Hitzig, Beraterin des Sanitärgroßhandels, schlägt den Einbau einer kalten Dusche vor: "Wer länger als zwei Sekunden vor der Schüssel steht, wird eingenässt." Diplom-Ingenieur Friedrich Bück, Konstruktionsleiter eines Sanitärausstatters, sieht als Alternative den Einbau eines Sensors, der den »Preussischen Präsentiermarsch« in Gang setzt, wenn einer stehen bleibt: "Bei 90 dB-Übertragungslautstärke weiß jeder im Haus, dass wieder einer im Stehen uriniert."

Machen die Kritiker des Stehpinkelns nun aus einer Mücke einen Elefanten, beziehungsweise aus einem Tröpfchen einen Ozean? Folgendes Rechenbeispiel aus dem Buch »Stehpinkeln - Die letzte Bastion der Männlichkeit?« von Klaus Schwerma gibt Auskunft über das Ausmaß des Problems: Pro Toilettenbesuch vergießt der Mann ca. 5 ml Urin neben die Schüssel. In einem Jahr sind das fast 10 Liter. Bei einer Durchschnittslebenszeit von 70 Jahren kommt man auf 700 Liter Körpersaft im Leben eines Mannes. Was also tun? Vielleicht hilft die herausragende Erfindung des "Manpaper", ein Papierschlauch, der beim "Stehpinkeln" den Strahl lenkt. Eine andere Möglichkeit, den Streit zu beenden, ist eine offensive Werbung für die großen Vorteile des Sitzens auf dem Klo: Wo kann man sonst noch in Ruhe lesen? (vb)

Quelle: http://www.wildwechsel.de/
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